Der Alltag hat uns auch in diesem Jahr sehr schnell eingefangen. Vergessen sind schon bald die Feiertage, die fröhliche Begrüßung des Jahres 2023 und die vielen Wünsche und guten Vorsätze. Was wird das neue Jahr für und im Fachverband bringen?

Natürlich stehen zunächst die Landesarbeitstagungen im Fokus. Die Landesverbände präsentieren sich und die aktuellen Themen des Kassen-, Rechnungs- und Vollstreckungswesens. In Komka-Online spricht der Bundesvorsitzende Dietmar Liese über die Herausforderungen des Jahres 2023.

Das Jahr 2022 ist in der Wahrnehmung der Mitglieder des Fachverbandes besonders durch die Bundesarbeitstagung in Potsdam geprägt worden. Entspricht das auch Ihrer Wahrnehmung zum Verbandsjahr?

Die Bundesarbeitstagung war das Highlight der Verbandsarbeit des letzten Jahres. So nah wie in Potsdam kommen sich die Akteure, die Mitglieder der Gremien des Verbandes, ob Bundesvorstand oder Bundesausschüsse, und die Kolleginnen und Kollegen aus den Kommunalkassen selten. Die Fachausstellung in der Hotellobby stand als persönliches Austauschforum im Zentrum der Veranstaltung. Sicher haben auch die Erfahrungen in der Coronapandemie einen Beitrag im positiven Sinne geleistet. Der persönliche Austausch, der nach 2019 erstmals wieder möglich war, ist und bleibt ein menschliches Bedürfnis. Das haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer genutzt, schließlich gehört dieses Netzwerken zum Markenkern des Fachverbandes der Kommunalkassenverwalter e.V. und wird in der Mitgliedschaft sehr geschätzt.

In der Arbeit des Verbandes gab es über die Mitgliederveranstaltung hinaus viele wichtige Themen und Ereignisse, die das Verbandsleben prägen. Wie ich bereits in meinen Worten zum Jahreswechsel ausgeführt habe, lief der Vereinsbetrieb und die Arbeit an der Zukunftsausrichtung unseres Fachverbandes weiter. Als Beispiel nenne ich hier die aus der Erfahrung des Zukunftskonvents geborene Neuorganisation der stetigen Zusammenarbeit der Landesvorsitzenden mit dem Bundesvorstand. Das Format hat den Namen KomKa-Klausurtagung bekommen und soll der flexiblen und möglichst konventionsarmen Bearbeitung von Verbandsthemen dienen. Die erste Sitzung hat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überzeugt und zu dem gemeinsamen Entschluss geführt, das Format zwei Mal im Jahr durchzuführen. Kommunikation und Netzwerken sind nicht nur nach außen das Erfolgsrezept unseres Fachverbandes; sie befördern wesentlich die interne Arbeit an der ständigen Weiterentwicklung und Verbesserung der Verbandsarbeit auf allen Ebenen.

Was können die Kolleginnen und Kollegen im Jahr 2023 von ihrem Fachverband erwarten?

Zunächst einmal stehen die Tagungen der Landesverbände im Mittelpunkt. Für die meisten Landesverbände ist es die erste Tagung mit einer Mitgliederversammlung als eingetragener Verein, nach eigener Satzung. Das hebt den Stellenwert der Veranstaltung. Natürlich stehen die Fachthemen auf der Agenda in den Ländern. Dazu gehören sicherlich die Entwicklungen im Vollstreckungs- und Insolvenzrecht, die Digitalisierung mit deren Auswirkungen auf die Finanzprozesse sowie die Arbeit der Kommunalkasse und nicht zu vergessen, der Austausch über die alltäglichen Probleme in der Praxis. Ich werde versuchen, soweit es meine Zeit erlaubt, an vielen Tagungen teilzunehmen. Auf den Landesarbeitstagungen habe ich mehr als sonst die Möglichkeit nah bei den Kolleginnen und Kollegen zu sein, Gespräche zu führen und zu hören, wo der Schuh in der Kommunalkasse gerade am meisten drückt sowie für eine aktive Mitwirkung im Fachverband zu werben.

Es steht also ein schönes Jahr in den Landesverbänden an?

Die Teilnahme am Vereins- und Verbandsleben ist für mich immer eine schöne Sache. Ich hoffe, dass können auch die Kolleginnen und Kollegen in unserem Fachverband unterschreiben, wenn sie zu Fachtagungen, Seminaren und Informationsveranstaltungen oder als Mitglied von Vorständen, Ausschüssen und Projekten zu Arbeitssitzungen zusammenkommen. Wie unsere Bundesgeschäftsführerin in dem in Kürze in der KKZ erscheinenden Jahresbericht 2022 schreibt, werden einige Landestagungen 2023 vom Abschiednehmen geprägt sein. Dort bin ich dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge dabei. Kolleginnen und Kollegen zu verabschieden, die den Verband maßgeblich geprägt haben, gleich ob sie in den Ruhestand gehen oder neuen beruflichen Herausforderungen außerhalb der Kommunalkasse folgen, gehört zum Verbandsleben. Oftmals sind aus der Zusammenarbeit im Verband Freundschaft, Verlässlichkeit und Anerkennung entstanden, bei denen mir die anstehenden Veränderungen persönlich nahe gehen. Es freut mich aber auch, wenn die Kommunalkasse Sprungbrett für die berufliche Weiterentwicklung von Kolleginnen und Kollegen ist. Allerdings zeigt es in vielen Fällen, die Vernachlässigung der Attraktivität der Arbeit im kommunalen Kassenwesen, wahrscheinlich sogar im kommunalen Finanzwesen insgesamt. Ein Thema, dass wir mehrfach an die Arbeitgeberverbände und zuletzt auch die Gewerkschaften herangetragen haben. Bei den Ruheständlern beginnt ein neuer Lebensabschnitt, in dem der Verband hoffentlich nicht ganz aus dem Blick gerät. Die bleibende Verbundenheit wünsche ich mir als Verbandsvorsitzender natürlich in beiden Fällen.

Der Abschied von Mandats- und Aufgabenträgern bedeutet Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden.

Damit verbunden ist die Sorge, die mich und andere Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Gesamtverband schon länger umtreibt: das Finden und Motivieren von Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis, die sich in die Verbandsarbeit aktiv einbringen wollen und können. Aus dieser Sorge ist mein Aufruf bei der Bundesarbeitstagung in Potsdam zur Mitwirkung im Projekt Facharbeit entstanden. Ich finde, die Plattform der Tagungen zu nutzen, um auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zuzugehen und für die Mitarbeit an konkreten Vorhaben des Verbandes zu werben, ist eine vielversprechende Möglichkeit. Die Idee hat bei der BAT funktioniert, weil das Projekt vorgestellt und Nachfragen direkt geklärt werden konnten. Ich bin davon überzeugt, dass es Kolleginnen und Kollegen in unserer Mitgliedschaft gibt, die sich einbringen würden und es auch könnten, wenn die Hemmschwelle für den Einstieg geringer wäre und sie ihren Verband mehr von innen her kennen würden. Eine konkret erfassbare Aufgabe, ein Praxisthema, dass gerade auf dem eigenen Schreibtisch liegt oder der Zugang zu einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Nachbarschaft, der im Verband aktiv ist, kann der richtige Ansatzpunkt sein, „Ja“ zu sagen.

Die personelle Aufstellung ist also für die Landesverbände und den Verband ein aktuelles Thema?

Ich würde es nicht als aktuelles Thema bezeichnen. Es ist ein Thema, das ständig auf die Tagesordnung gehört. Der Fachverband muss sich, wie viele Vereine, ob im Sport oder anderem ehrenamtlichen Engagement, Gedanken machen, wie die Arbeit in Zukunft organisiert werden kann. Aus der Praxis für die Praxis ist der rote Faden der Fachverbandsarbeit. Die Interessen der Zielgruppe unseres Verbandes sind die Interessen derjenigen, die die Facharbeit gestalten und tragen. Wir sind eine Art Selbsthilfeverein. Dennoch ist es nicht leicht Kolleginnen und Kollegen zu motivieren, sich neben Beruf und Familie ehrenamtlich im Fachverband zu engagieren. Verschiedene Faktoren tragen dazu bei. Der Verband muss interessant sein, die Interessen der potenziellen Mitstreiterin bzw. des Mitstreiters müssen mit den Zielen des Verbandes korrespondieren und die Mitarbeit muss einfach realisierbar und gestaltbar sein. Wir haben uns im Zukunftskonvent mit der Thematik befasst. Eine Patentlösung haben wir nicht gefunden. So wird die Frage der personellen Untersetzung in jedem derzeit im Fachverband laufenden Zukunftsprojekt eine wichtige Rolle spielen.

Für alle Ergebnisse, die in den Projektgruppen zur Facharbeit, zur Fortbildung oder Digitalisierung erarbeitet werden, wird man Menschen brauchen, die sie mit Leben füllen, die sie umsetzen.

Genau, deshalb müssen diese Dinge bei der Organisation der Fortbildungsarbeit, der Fach- und Lobbyarbeit, der Digitalisierung innerhalb des Verbandes mitgedacht werden. Menschen, die zur Mitarbeit angesprochen werden sollen, müssen sich in den Themen wiederfinden. Die Kolleginnen und Kollegen, die sich vorstellen können, in die Wissensvermittlung einzutreten, müssen einen verlässlichen Rahmen dafür finden sowie befähigt und gefördert werden. Insgesamt bedarf es innerhalb des Verbandes moderner Arbeitsbedingungen und verschiedener Möglichkeiten der Mitwirkung, damit die heutigen Anforderungen der Vereinbarkeit auch dieses Engagements mit Familie und Freizeit erfüllbar sind. Dabei darf niemand vergessen, dass eine Mitwirkung auch der eigenen Kompetenz zugutekommt und der kommunale Arbeitgeber oder Dienstherr davon profitiert.

Damit sind wir bei der im Jahr 2022 gestarteten Projektarbeit. Welche Projekte gibt es und welche Ziele verfolgen sie?

Zunächst geht es um die Organisation der Fortbildung, deren Qualitätssicherung einschließlich der Referentenakquise. Fortbildungsrahmenpläne für die Themenbereiche der Gemeinde-, Stadt- und Kreiskasse sollen die Basis für ein umfassendes Angebot zu dieser satzungsgemäßen Aufgabe unseres Fachverbandes bilden. Voraussetzungen für die Vermittlung von Fachwissen sind neben den vorhandenen rechtlichen Gegebenheiten die Initiierung, Erarbeitung und Weiterentwicklung der fachlichen Grundlagen für die Arbeit im kommunalen Finanzwesen. Dazu gehören auch die Dokumentation der Facharbeit und deren Publikation, ob in Handbüchern, unserer Verbandszeitschrift der KKZ oder im Rahmen der Lobbyarbeit durch die Veröffentlichung von Vorschlägen zu Gesetzes- oder Verfahrensänderungen oder in der direkten Kommunikation mit kommunalen Spitzenverbänden und Gesetz- und Verordnungsgebern. Daher befasst sich eine Projektgruppe mit der Optimierung und Weiterentwicklung der Facharbeit als wesentlichen Baustein für eine gelungene Verbandsarbeit. Die Digitalisierung des inneren Betriebes des Fachverbandes ist ein weiterer Baustein der Projektarbeit. Der elektronische Versandt der Beitragsrechnungen und die Modernisierung des Rechnungswesens des Verbandes war ein erklärtes Ziel des neuen Bundesschatzmeisters. Der Versandt der Beitragsrechnungen per E-Mail ist bereits in das zweite Jahr gestartet. Darüber hinaus geht es um die digitale Unterstützung der Gremienarbeit, beispielsweise der Fachausschüsse und Vorstände, aber auch der Kommunikation und Wissensdokumentation. Aus letzterem entsteht die Verbindung zur Außenwirksamkeit. Mit dem Internetauftritt, der Nutzung von Newslettern und die fortgesetzte elektronische Prozessaufnahme und Dokumentation im Rahmen des Wissensmanagements, nun auch im Kassen- und Rechnungswesen, befasst sich eine neue Projektgruppe im Jahr 2023.

In diesem Zusammenhang müssen wir auch auf das umfangreiche elektronische Angebot des Reckinger Verlages hinweisen, in dem unsere Publikation erscheinen.

Die Kommunikation, Darstellung und Vermittlung der Ergebnisse der Verbandsarbeit, der Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen und der Austausch innerhalb des Verbandes ist ein Querschnittsprojekt. Dazu gehört auch die enge Zusammenarbeit mit dem Reckinger Verlag. Hervorgegangen aus den Erkenntnissen des Zukunftskonvents zeigen sich erste Ergebnisse in der nicht zu vernachlässigen Art und Weise der Verbandsdarstellung in einem Corporate Design. Ziel ist es, für den Fachverband eine einheitliche Corporate Identity zu entwickeln, die sich im Selbstverständnis des Gesamtverbandes unter anderem durch ein Leitbild zum Ausdruck kommt.

Das ist eine ganze Menge Arbeit im Jahr 2023.

Das ist es. Dabei darf man nicht vergessen, dass unser Verband keine hauptamtlichen Kräfte beschäftigt. Die Kolleginnen und Kollegen in den Projekten arbeiten ehrenamtlich, hochmotiviert, oft in Videokonferenzen zum Teil in Präsenzsitzungen an den Themen. Wie ich bereits in meinem Grußwort zum Jahreswechsel angekündigt habe, möchten wir die Ergebnisse dieser Aktivitäten im Jahr 2024 präsentieren und umsetzen. Das laufende Geschäft der Vereinsvorstände, der Bundesfachausschüsse und der weiteren Verbandsgremien ist natürlich auch 2023 zu erledigen. Die Handbücher sind weiterzuentwickeln und zu aktualisieren, die KKZ muss gefüllt werden. Nicht aus dem Blick geraten, dass darf ich allen Kolleginnen und Kollegen im Kassen-, Rechnungs- und Vollstreckungswesen versichern, die Bemühungen des Fachverbandes zur Wertschätzung der Arbeit in den Kommunalkassen und Finanzbuchhaltungen. Gerade in Richtung der Organisations- und Personalverantwortlichen sowie der Hauptverwaltungsbeamten bedarf es aufgrund der Digitalisierung und der damit verbundenen Veränderungen in den Finanzprozessen einer verstärkten Kommunikation zur Notwendigkeit von Qualifizierungen im Kassen- und Rechnungswesen sowie der angemessenen finanziellen Anerkennung. Für jeden von uns muss auch klar, diese Aufgabe kann nicht allein auf den Fachverband delegiert werden. Es kommt auf jede Einzelne, jeden Einzelnen von uns an. Sich vor Ort in der Stadt, der Gemeinde oder dem Landkreis mit Engagement, Wissen und Erfahrung einzubringen, ist ein wesentlicher Beitrag dazu. Davon wird der Erfolg der Bemühungen des Fachverbandes maßgeblich abhängen.

Herr Bundesvorsitzender, schließen wir das Gespräch mit Ihrem Wunsch für das Jahr 2023.

Ich möchte gern weitere Kolleginnen und Kollegen für die Mitarbeit im Fachverband interessieren und begeistern. Damit meine ich gleichermaßen junge wie ältere Kolleginnen und Kollegen. Es geht darum neue Idee und Ansätze zu heben und diese mit der vorhandenen Erfahrung zusammenzubringen. Das gilt auch für die Arbeitsweisen. So können, glaube ich, die besten Ergebnisse erzielt und deren Akzeptanz in der breit aufgestellten Mitgliedschaft erreicht werden. Mein Wunsch an die Leserinnen und Leser dieses Jahresauftaktgesprächs ist, sich mit den eigenen Anforderungen, Ideen oder Wünschen, die ihnen für eine Mitwirkung im Verband wichtig sind, bei mir oder anderen Verantwortlichen im Verband zu Wort zu melden. Dabei gibt es keine Ausschlussgründe, auch der gesellige Austausch oder das reine Arbeiten in Videokonferenzen dürfen dazu gehören.

Und persönlich?

Ich wünsche mir in dieser Zeit der Krisen und Veränderungen Gesundheit, Freude im privaten und beruflichen Umfeld, Zufriedenheit, Orientierung und Gemeinschaft. Das wünsche ich auch den Leserinnen und Lesern, den Kolleginnen und Kollegen im Fachverband und in den Kommunalkassen und Finanzbuchhaltungen.

 

Vielen Dank, Herr Bundesvorsitzender.

Gespräch mit dem Bundesvorsitzenden des Fachverbandes der Kommunalkassenverwalter e. V. Dietmar Liese zum Jahresauftakt 2023 (Januar 2023)

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